Die Debatten im Bundestag werden von der Öffentlichkeit kaum noch verfolgt. Besuchergruppen dämmern weg. Herz der Demokratie? Multipolar-Autor Wolf Reiser hat mehrere Wochen intensiv zugehört und „eine monumentale Mogelpackung“ vorgefunden. Seinen sarkastischen Bericht überschreibt er mit einer Anspielung an
den Filmtitel eines gerade verstorbenen Regisseurs: „Und die Betrachter in der Reichstagkuppel: ratlos.“

Die allermeisten Politiker haben natürlich schicke Smartphones und Tablets vorzuweisen. Ob es um Trilliarden Sondervermögen, Rente, Bildung oder den Ausbruch des Dritten Weltkriegs geht, ist eigentlich von geringem Belang.
Die erfahrenen Politiker kennen ihre Funktion als teure Bestätigung längst getroffener Vorauswahlen. Und so wird im großen Saal der Debatte aufs Gadget gestarrt, studiert, gescrollt, getippt, gewartet, gegrinst und auch viel gegähnt.
Keiner lässt sich hier von linken oder rechten Extremisten so einfach aus der Ruhe bringen und alle gefallen sich enorm in diesem Habitus der demonstrativen Verachtung.

Nein, es gab am 26. März 26 keine Schweigeminute für
Alexander Kluge. Dabei wird nirgendwo in Deutschland mehr
gelesen als in diesem lichtdurchfluteten Plenum des Deutschen . Besonders intensiv erfolgt die kollektive Lektüre, wenn sich ein Redner aus der Opposition um Gehör bemüht und mit geballter Faust und feurigem Blick die „lieben Kollegen“ auf der Regierungsbank herausfordert. Kaum hat aber, beispielsweise Frau Weidel, die
Begrüßungsfloskeln ausgesprochen, beugen sich die eher altmodischen Minister wie Reiche oder Pistorius über einen der aufgeklappten Leitzordner und setzen dort mit einem Rotstift oder Radiergummi an. Auch über ein dampfendes Reisebügeleisen würde man sich kaum noch wundern.




































